Erdölförderung in Schoonebeek
Als wolle man Sirup mit einem Strohhalm trinken – so muss es sich für die "Pferdekopf"-Pumpen angefühlt haben, die von der Nederlandse Aardoliemaatschappij (NAM) in Schoonebeek in der niederländischen Provinz Drente eingesetzt wurden, als sie mit den ersten Ölförderversuchen begannen. Die Entwicklung und Aufbau einer neuen Anlage von Stork Technical Services machte es möglich, dass das zähe und dickflüssige Öl gefördert werden kann. Die Anlage wird ihren Betrieb im Juli 2010 wieder aufnehmen.
Das erste Erdöl aus dem Schoonebeek-Feld soll im Juli 2010 gefördert werden. Insgesamt wird es dann 73 Pumpen (44 Produktionsbohrungen, 4 Observationsbohrungen und 25 Injektionsbohrungen) an 18 Standorten geben und die veraltete Technologie der “Pferdekopf”-Pumpen effizient ersetzen
Zur Ölförderung verwendet NAM hochreines Wasser aus einer Produktionseinheit, die zurzeit in der RWZI Wasseraufbereitungsanlage in Emmen entsteht. In einer Kraft-Wärme-Kopplungs(KKW)-Anlage wird dieses Reinstwasser in Dampf umgewandelt. Durch Rohrleitungen wird dieses zu den Erdölfeldern transportiert und dort in einer Tiefe von ungefähr 800 m in den Bentheimer Sandstein injiziert. Durch die hohe Temperatur und Vermischung mit diesem Wasser sinkt die zähe Viskosität des Erdöls.
Die Produktionsbohrung, an der Erdöl, Produktionswasser und Gas aufgenommen und zur Aufbereitungsanlage befördert werden, liegt rund 150 m von der Injektionsbohrung entfernt. Dort werden Öl, Gas und Produktionswasser voneinander getrennt. Das Produktionswasser gelangt über eine Rohrleitung zu den leeren Gasfeldern in der Privinz Twente, wo es in tiefere Schichten eingetragen wird, während das Rohöl über eine andere Leitung zur BP-Raffinerie nach Lingen in Deutschland transportiert wird.
Die Abgase der KKW-Anlage dienen zur Erzeugung von Elektrizität, die für alle anfallenden Prozesse genutzt wird. Überschüssige Elektrizität wird über eine 110-kV-Leitung in das öffentliche Versorgungsnetz eingespeist.
Hans Reitzema und Peter van Eck, Projektmanager für Schoonebeek und Geschäftsbereichsleiter Öl & Gas bei Stork Technical Services, wirken trotz der gewaltigen Aufgabe sehr entspannt. Sie arbeiten sowohl an der riesigen KKW-Anlage als auch an der Erdölaufbereitungsanlage. "Pläne ausdenken und diese dann entwickeln und realisieren – das lieben Ingenieure. Je größer und komplexer, desto besser."